Karl-Heinz und die Freiheit auf Harley-Rädern

Juni 22, 2008

Da kann man über die Harley-Days maulen, was man will: Der große Convoi am Sonntag ist einfach richtig fettes Kino. Eben komme ich vom Start an der Reeperbahn und bin noch immer überwältigt von der großen Harley-Gemeinde. Wenn ich als BMW-Fan sowas sage, ist das echt ein Ding. Mittlerweile hat wohl auch der letzte Depp kapiert, dass Harley-Fahrer keine schweren Jungs sind, die arbeitslos abhängen und kleine Schulmädchen vergewaltigen. Und was es da sonst noch so an merkwürdigen Vorurteilen gibt. Sonder eine eingeschworene Gemeinde, die nur einen echten Nachteil hat: In Sachen Mode gibt es echt Potential.

Manche treten schon sehr gewolt als Freizeitrocker aus. Man möge es sich vorstellen: Karl-Heinz aus Starnberg schreitet am Sonntag nach dem Frühstück mit der blonden Frau und den artigen Kindern ind die gefließte Garage seines 1,5 Mio-Eigenheims, vorsichtig am BMW 745i vorbei, und nimmt die Kutte aus dem Schrank. Hängt in der Garage, damit die Putzfrau das böse Kleidungsstück nicht findet.

Rollt den polierten Fat Bob auf den Kiesweg und weckt den V2-Reaktor. Und dann geht es los, fernab von Power-Point und Visitenkartentausch heizt Karl-Heinz über die Landstraße. Drei Stunden später kommt er wieder nach Hause, weitere drei Stunden wird der fette Bob wieder poliert.

Klingt peinlich, ist aber irgendwie schön. Für Karl-Heinz ist eben das die Freiheit auf Rädern. Muss ja nicht jeder in Easy-Rider-Manier durch das Land cruisen, Kommunen schrecken und am Ende mit seinem Leben für den Freiheitsdrang bezahlen.

Irgendwie mag ich Karl-Heinz.

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