Nach dem kurzen Text zum Thema Benzinpreis, heute mal wieder ein kleiner Ausflug in die Wissenschaft: Was macht die Harley zur Harley? Oder auch: Warum niemals 60.000 japanische Chopper aufeinander treffen werden. Es ist ja nicht so, dass Harley-Davidson ein Monopol zur Choppererzeugung hat. Im Gegenteil. Kawasaki, Honda und Suzuki sind da heute auch schon recht gut. Und wer kein echter Chopperfreak ist, kann den Japanern auch keine großen Designnachteile unterstellen. Vor allem Suzuki holte richtig nach – und dennoch wird niemand den Boden nach einem Japan-Chopper küssen.
Harley zeigte einfach Ausdauer. 1901 entwarfen die Herren Harley und Davidson ihr erstes Motorrad, die Silent grey Fellow. Eigentlich nur ein Fahrrad mit Motor. In Japan bemalte man damals vermutlich noch Vasen und schnitzte für den Kaiser Stäbchen mit Gold-Applikationen.
1909 folgte bereits der erste V2, damit entstand ein wichtiges Markensymbol. Harley rückte davon niemals ab. Das gilt auch für das Chopperdesign. Gut, es gibt heute auch wassergekühlte Harleys, selbst wenn die wahren Fans jetzt jaulen. Doch der wahre Harley hat einen V2, und zwar luftgekühlt. Bis heute.
Der Name. Niemals verändert. Dagegen ist sogar Damiler, vormals DaimlerChrysler, vormals Daimler-Benz richtig sprunghaft.
Die Philosophie. Eine Harley hat schlechte Bremsen, einen Mini-Tank und ein grausiges Fahrwerk. Trotzdem werden die Bikes von der Fachpresse geliebt. Weil unperfektes eben auch liebenswert ist. Bei Autos funktioniert das auch, die Marke Alfa Romeo gilt als ziemlich stark. Nur gekauft werden die Karren leider nicht.
Die Verknappung. Seit vielen Jahren werden weniger Harleys gebaut, als nachgefragt werden. Somit kommt es zu einer künstlichen Verknappung, das schraubt die Werthaltung kräftig nach oben.
Die Geschichte. Harley zitiert sich ständig selbst. Nicht doof, denn so ist jedem Käufer klar, dass er ein Stück Legende erwirbt. Das macht der auch gerne. Meine Diplomarbeit hatte den Titel “Die Bedeutung strategischer Markenführung bei Mini und Seat”. Den Inhalt will ich nun dem Leser ersparen. Fazit der Arbeit: Nur wer seine eigene Geschichte pflegt, ist am Markt auch in Zukunft erfolgreich.
Unterm Strich ist eine Harley Davidson einfach nur eine teure, unvollkommene Sache. Und genau dafür wird sie von ihren Fans geliebt. Das zeigten die Hamburger Harley-Days 2008 wieder deutlich.
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